Hochzeitsspiele - der Kutscher



„Der Kutscher“ ist ein beliebtes Spiel auf Hochzeiten.

Es gibt verschiedene Varianten zu diesem Spiel. Bei der ersten Variante werden neun Stühle in Form einer Kutsche aufgestellt. Danach wählt man neun Personen aus der Hochzeitsgesellschaft aus, die sich auf diese Stühle setzen. Jeder Person wird eine Rolle zugeordnet, und dann wird eine Geschichte erzählt, die von einem König und einer Königin handelt.

Immer wenn der Titel der Rolle genannt wird, die eine bestimmte Person zugeteilt bekommen hat, muss derjenige aufstehen, einmal um den eigenen Stuhl laufen und sich wieder setzen. Verpasst jemand seinen Einsatz, muss er zur Strafe etwas trinken – in der Regel einen Schnaps. Bei der zweiten Variante wird das Spiel mit anderen Rollen und mit elf Mitspielern gespielt. Auch bei dieser Variante ist die „Strafe“ ein Gläschen Schnaps, wenn jemand seinen Einsatz verpasst. Natürlich kann man davon ausgehen, dass nach einigen solcher verpasster Einsätze so mancher Hochzeitsgast nicht mehr ganz einsatzfähig ist, aber das sind die kleinen Ausfälle, die bei Hochzeiten gerne in Kauf genommen werden.

Es gibt eine ganze Reihe von Traditionen zu Hochzeiten, und ein paar fiese Spiele, wie „der Kutscher“ für die Gäste zu spielen, gehört da einfach dazu. Und wenn der Kutscher nach dem Spiel ordentlich einen im Tee haben sollte – nun ja, solche Dinge werden mit einkalkuliert.

Hier die Geschichte:

Es waren einmal ein König und eine Königin. Diese fuhren mit einer schönen Kutsche, die von einem treuen Kutscher gelenkt wurde, und zwei stolze Pferde hatte, durch einen dunklen Wald ritt. Der König hatte vollstes Vertrauen zu seinem Kutscher. Der Kutscher hatte das Königspaar immer gesund und sicher nach Hause gebracht. Auch die Königin hatte an diesem Abend keine Angst. Doch plötzlich wackelte die ganze Kutsche und auch die Pferde scheuten. Da fragte der König den Kutscher besorgt: "Kutscher, Kutscher, mein lieber Kutscher, mein treuer Kutscher, was ist denn bloß mit den Pferden los? Ist etwa das rechte Hinterrad gebrochen, weil es so gerumpelt hat?" Der Kutscher antwortete dem König: " Nein, nein mein König, es wird wohl eher das linke Hinterrrad gewesen sein. Hat die Königin sich verletzt?" Die Königin sagte daraufhin zum Kutscher:"Ach, mein lieber Kutscher", sagte die Königin, "Mein lieber Kutscher, nein, mir geht es gut. Ich glaube es war eher das rechte oder linke Vorderrad. Ist mit den Pferden denn alles okay?" Da sagte der Kutscher zur Königin:"Nein, liebste Königin, den Pferden geht es gut. Sie sind nur etwas beunruhigt. Ich glaube, ich steige mal von der Kutsche ab und werde den Pferden etwas zu trinken geben und die Pferde etwas beruhigen." Da sprach der König zu dem Kutscher: "Pass auch lieber Kutscher, dass du dir nicht an den gebrochenen Rädern wehtust." Das sagte der Kutscher zum König: "Nein, ich werde mich schon nicht verletzen mein liebster König. Ich will nur nachsehen, ob es den Pferden gut geht, die Räder noch ganz sind und ob sonst etwas an der Kutsche beschädigt ist."

Da stieg der Kutscher von seiner Kutsche und ging zu den Pferden und beruhigte die Pferde mit einigen ruhigen Worten und gab Ihnen etwas Wasser. Danach ging er um die Kutsche herum, begutachtete das rechte Vorderrad, dann das rechte Hinterrad, das rechte Hinterrad und das linke Vorderrad und zum Schluß die Kutsche. Danach stieg er wieder auf die Kutsche und setzte die Kutsche wieder in Bewegung.

Nun sah der König seine Königin an und fragte dann den Kutscher: "Kutscher, Kutscher, mein lieber treuer Kutscher, welches von den Rädern war denn nun kaputt?" Daraufhin sagte der Kutscher zum König: "Es war weder das linke Vorderrad, noch das rechte Hinterrad, das linke Hinterrad und auch nicht das rechte Vorderrad. Die Kutsche ist auch voll in Ordnung. Es war anscheinend nur ein großer Zweig, der gegen die Kutsche geflogen ist und damit die Pferde rasend gemacht hat" Die Königin sagte zum Kutscher: "Kutscher, Kutscher, mein lieber Kutscher, mein herzallerliebster Kutscher, dann können wir jetzt beruhigt aus diesem tiefen, dunklen Wald heraus fahren und in unser Schloß heimkehren?"

Der Kutscher sagte zur Königin: "Ja natürlich, meine Königin. Wir sind bald heil wieder zu daheim. Ich werde die Pferde jetzt jagen, damit wir diesen dunklen Wald so bald wie möglich verlassen können." Da trieb der Kutscher die Pferde an, die Kutsche fuhr bald aus dem tiefen Wald auf den Hof des Schlosses. Der Kutscher stieg von der Kutsche, begleitete den König und die Königin aus der Kutsche, band die Pferde los, musterte noch einmal das linke und rechte Vorderrad und das linke und rechte Hinterrad und lief dann in den Stall, um die Pferde zu beköstigen. Die Königin und der König waren sehr zufrieden mit ihrem treuen Kutscher.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben der König, die Königin, der Kutscher, die Pferde und die Kutsche auch heute noch in den Schloß vor den tiefen, dunklen Wald und fahren mit der Kutsche über Stock und Stein.